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8. Internationales FBB-Gründachsymposium 2010

Die Gründachbranche brachte sich wieder auf den aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft

Das Interesse am 8. Internationalen FBB-Gründachsymposium, das am 04. März 2010 in gewohnter Manier in Ditzingen stattfand, war wieder groß – etwa 130 Zuhörer füllten den Ditzinger Bürgersaal bis auf wenig freie Plätze.


 

Die Gründachbranche brachte sich wieder auf den aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft


Die veranstaltenden Verbände Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL), Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. (ZVDH) und erstmals auch der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten e.V. (BDLA) waren mit dem Zuspruch und dem Ablauf des Tages rundum zufrieden. So auch FBB-Präsident Dr. Gunter Mann: „Die Gründachbranche hat sich wieder in Ditzingen getroffen, um sich einerseits über den aktuellen Stand zu informieren und andererseits die Kontakte zu den Kollegen zu pflegen. Die Pausengespräche und die Firmeninformationen an den Präsentationsständen waren ebenso wichtig wie die Fachvorträge.“

 

Wieder gab es vor den vier bewährten Themenkomplexen „Aus der Praxis“, „Aus der Forschung“, „Recht, Richtlinie und Verwaltung“ und „Berichte aus dem Ausland“ einen Einführungsvortrag, der eigentlich von der Baden-Württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner gehalten werden sollte – doch sie war wie viele andere eingeladenen Politiker verhindert. Ihren Vortrag übernahm Ministerialdirigent Martin Eggstein. Er verdeutlichte in seiner Ansprache nochmals die vielen positiven Wirkungen begrünter Dächer.

 

Hagen Knafla von der Gütegemeinschaft Substrate e.V. machte den Auftakt der Fachvorträge und berichtete über die Düngemittelverordnung. Seit dem 1. Januar 2010 gilt ausschließlich die Verordnung über das Inverkehrbringen von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln (DüMV, BGBl 2524). Dach- und Baumsubstrate werden gemäß der Zweckbestimmung als Wurzelraum für Nutzpflanzen und als „Kultursubstrat“ betrachtet. Sie müssen somit die Vorgaben der DüMV einhalten und unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Die aktuell geltenden Gesetze und Verordnungen des Düngemittelrechts stehen über den fachlichen Regeln der Technik wie z.B. den FLL-Dachbegrünungsrichtlinien

 

Katja Holzmüller vom Umweltamt Düsseldorf führte aus, dass im gesamten Stadtgebiet von Düsseldorf mehr als 730.000 m2 Dach- und Tiefgaragenflächen begrünt sind. Das ergab eine Gründachkartierung, die mit Hilfe einer flächendeckenden Luftbildauswertung 2008 erstellt worden ist. Damit sich dieser grüne Flickenteppich stetig erweitert, versucht Düsseldorf sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um Dachbegrünungen im Rahmen der Bauleitplanung, mit Förderprogrammen sowie einer entsprechenden Abwassergebührenordnung voran zu bringen.

 

Bettina Krutwig, DNGB e.V. aus Stuttgart gab einen Einblick in die Zertifizierung im Rahmen des Nachhaltigen Bauens. Nachhaltiges Bauen heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Dabei wird im Rahmen einer Lebenszyklusbetrachtung die Optimierung sämtlicher Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes angestrebt. Die Beurteilungs- bzw. Bewertungsmaßstäbe der Nachhaltigkeit von Gebäuden beziehen sich auf drei vorrangige Schutzziele: 1. Ökonomie, 2. Ökologie, 3. Soziales und Kulturelles. Begrünte Dächer spielen in allen Bereichen eine positiv bewertbare Rolle.

 

FLL-Regelwerksausschussleiter Prof. Gilbert Lösken griff ein zwar bekanntes, doch wieder aktuelles Thema auf – die Druckentwässerung in Verbindung mit Dachbegrünung. Dazu sprach er u.a. folgende Empfehlungen aus: keine Kombinationen von Kies- und Grünflächen, neben der Beachtung der maximal anschließbaren Fläche auch Rücksichtnahme auf die Mindestanforderungen der Druckströmungsgullys, den Abfluss der Abläufe im Nahbereich nicht behindern.

 

Roland Appl, Präsident der IGRA, erzählte über eine besondere Art der Gründachbesichtigung: mittels eines Zeppelins. Nicht nur die Lage und Größe der begrünten Dächer war erkennbar, sondern auch Alter und Zustand der Vegetation lässt sich bei langsamem Flug in niedriger Höhe einwandfrei ablesen, wie übrigens auch der Zustand von Flachdächern insgesamt. Erkennbar war, dass vor allem der Deckungsgrad auf großen Dachflächen, die wahrscheinlich per Auflage begrünt werden mussten, oftmals mehr als zu wünschen übrig ließ.

 

Der Geschäftsführer der Alpha Industrie Jörg Schröder legte offen, wie Investoren denken und welche Rolle dabei Dachbegrünungen spielen. Je nach Kunde und branchenspezifischer Amortisierungsvorgabe können Begrünungen berücksichtigt werden, oft sind jedoch das kurzfristige Denken und die bauliche Gegebenheiten ausschlaggebend, so dass Gründächer entfallen. Es hat sich auch gezeigt, dass innovativ und zukunftsorientierte Investoren die Dachbegrünung durchaus bewusst einsetzen.

 

 

Dr. Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien fasste Untersuchungen aus verschiedenen Ländern zusammen und zog folgendes Fazit: werden die genannten Daten für Bäume auf Graspflanzen umgelegt und der Standort „Dach“ berücksichtigt, kann ein durchschnittliches Grasflachdach mit einer Fläche von 2.000 m² und einem Bewuchs mit ungemähtem Gras, welches per m² Dach 100 m² Blattoberfläche aufweist, der Umgebungsluft etwa 0,2 kg Schmutz pro m² und Jahr entziehen und binden.

 

Max Porstmann hat im Rahmen seiner Diplomarbeit bei drei älteren Extensivbegrünungen die Gehalte an Schwermetallen, sowie die sechs Indikator-PCB ermittelt. Im Durchschnitt überschritten die Schwermetallgesamtgehalte die Vorsorgewerte der BBodSchV, lagen aber unter deren Maßnahmenwerte. Eine altersabhängige Veränderung der physikalischen und chemischen Bodenfunktionen konnte beobachtet werden. Insgesamt konnte an den untersuchten Dächern eine Speicher- und Filterfunktion sowie eine angedeutete Funktion als Archiv erkannt werden.

 

Diplom Ingenieurin Susanne Herfort vom Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte der Humboldt-Universität Berlin hat jahrlang den „Rohstoff Schafwolle“ für den möglichen Einsatz bei Dachbegrünung untersucht. Ungewaschene und ungereinigte Schafwolle beinhaltet eine Reihe pflanzenphysiologisch wertvoller Inhaltsstoffe, die sowohl in Form von Vegetationsmatten als auch in Form von Dünger eingesetzt werden kann. Die normalerweise über Jahre dauernde biologische Zersetzung der Wollvliese ist ein wesentlicher Vorteil beim Einsatz von Vegetationsmatten in der Dachbegrünung. Schafwollpellets eigenen sich hervorragend als organischer Langzeitdünger sowohl für die Kultivierung von Grün- und Blühpflanzen als auch bei Gemüsekulturen.

 

Der Designer Hannes Simon hat mit seinem Projekt „Bee Hotel“ (Bienen-Hotel) demonstriert, dass auch Dachbegrünungs-Produkte in einem ansprechenden Design hergestellt werden können. Er hat bei einer Insektennisthilfe für Wildbienen Design und Funktion optimal miteinander kombiniert. Am Bee Hotel sind zwei verschiedene Behausungen angebracht: erstens die Nestkammern, welche hauptsächlich von Solitärbienen und -wespen genutzt werden können und zweitens die Kammern für Hummeln und andere Insekten.

 

Die junge Architektin Bettina Litschauer aus Wien zeigte eine neue Vision für Österreichs Altbestand-Dächer auf. Ihre Arbeitsthese geht von der Annahme aus, dass der großflächige Einsatz von Grünflächen das Stadtklima positiv beeinflusst und längerfristig gesehen einen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgase sein kann. Sie möchte vor allem die die bestehende Dachsubstanz Wiens nutzen, dieses Flächenpotential an schrägen ungenutzten Flächen zu aktivieren und eine neue Ebene über der bestehenden Dachkonstruktion, den „green layer“, einführen, d.h. die geneigten Dachflächen mit Grünflächen belegen. Es bleibt jetzt zu hoffen, dass sich diese Visionen bald bei einem Praxisobjekt wieder finden.

 

Henk Vlijm, Gründachspezialist aus den Niederlanden zeigte, dass aufgrund der Wasserproblematik auch in den Niederlanden Dachbegrünung finanziell gefördert werden und das landesweit und flächendeckend. Doch wie auch in Deutschland gibt es dabei keine einheitlichen Regelungen und jede Stadt hat ihre eigenen Gründe, Vorgaben und Fördersätze.

 

Abschließend gab in alter Tradition das FBB-Mitglied und Chairman der „World Infrastructure network“ (WRIN) Prof. Dr. Manfred Köhler einen Überblick zur Bauwerksbegrünung in der ganzen Welt und stellte viele neue und interessante Anregungen vor.

 

Durch die Veranstaltung moderierte in seiner unvergleichlichen Art das FBB-Ehrenmitglied Fritz Hämmerle. Der Tagungsband mit den Kurzfassungen der Vorträge und Bilder zur Veranstaltung können unter www.fbb.de eingesehen und heruntergeladen werden.

 

 

Dr. Gunter Mann

Präsident

Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB)

Kanalstraße 2

66130 Saarbrücken

Tel. 0681-9880570

Fax 0681-9880572

e-mail info@fbb.de

www.fbb.de

 

 

 

 

 

 

extra Kasten:

 

Der Kuberski-Verlag veröffentlicht im September pünktlich zur GaLaBau-Messe 2010 in Nürnberg erstmals das Jahrbuch Bauwerksbegrünung 2010, in dem sich alle Vorträge des FBB-Gründach- und Fassadenbegrünungssymposiums finden.

Vorbestellungen können schon vorgenommen werden unter info@fbb.de bzw. xxxxxx

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos zum 8. Internationalen FBB-Gründachsymposium 2010

 

Foto 1: Die Referenten auf einen Blick (v.l.n.r.): FBB-Präsident Dr. Gunter Mann, Jörg Schröder, Prof. Gilbert Lösken, Hagen Knafla, Dr. Michael Henze, Bettina Litschauer, Roland Appl, Susanne Herfort, Max Porstmann, Dr. Daniela Haluza, Henk Vlijm, Katja Holzmüller, Prof. Dr. Manfred Köhler, FBB-Ehrenmitglied Fritz Hämmerle. Es fehlen Hannes Simon und Bettina Krutwig

 

Foto 2: Wieder gut besucht -  das 8. FBB-Gründachsymposium in Ditzingen

 

Foto 3: Blick auf viele interessierte Zuhörer

 

Foto 4: Auch die oberen Zuschauerränge waren besetzt

 

Foto 5: Auch wichtig – Pausengespräche in großen …

 

Foto 6: … und kleinen Runden

 

Foto 7: Katja Holzmüller erläutert die Gründach-Kartierungen der Stadt Düsseldorf

 

Foto 8: Jörg Schröder beleuchtet die Seite der Investoren

 

Foto 9: Hannes Simon zeigt, dass auch Gründach-Produkte schön aussehen können

 

Foto 10: Firmenpräsentationen von FBB-Mitgliedern runden das Symposium ab

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) ist eine Vereinigung von Firmen rund um die Bauwerksbegrünung
unsere Schwerpunkte sind die Dachbegrünung und die Fassadenbegrünung.

 

FBB Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V.  - Kanalstraße 2 - D-66130 Saarbrücken

Telefon: 0681 / 98 80 570  - Telefax: 0681 / 98 80 572 - info@fbb.de