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Erfolgreiches Jubiläum des GründachsymposiumsDas Interesse am 10. Internationalen FBB-Gründachsymposium, das am 09. Februar 2012 in gewohnter Umgebung in Ditzingen stattfand, war wieder groß gewesen. Die veranstaltenden Verbände Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL), Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. (ZVDH), World Green Infrastructure Network (WGIN) und Bund Deutscher Landschaftsarchitekten e.V. (BDLA) begrüßten etwa 150 Teilnehmer. FBB-Präsident und Organisator Dr. Gunter Mann, der das Symposium auch moderierte, war sichtlich zufrieden: „Wir hatten selten so gute Referenten und so einen guten Zuspruch. Nur einmal hatten wir mehr Zuschauer. Doch auch die Pausengespräche und Firmenpräsentationen waren wichtig. Die Gründachbranche trifft sich in Ditzingen, sogar der bayerische Rundfunk war da!“
Den Auftakt der Veranstaltung machte Dipl. Ing. Bernd W. Krupka, Sachverständiger aus Bad Pyrmont mit seinem zukunftsorientierten Thema „Neue Stadtökologie“. Damit versteht er ein Planungssystem zur ökologischen Revitalisierung von verdichteten Stadträumen und Anpassung an den Klimawandel. Seiner Meinung nach muss Stadtgrün als berechenbarer Klimaschutz konzipiert, gestaltet und mit wissenschaftlich Daten hinterlegt werden. Die Stadtnatur soll als nachweisbar leistungsfähiges urbanes Ökosystem für die Zukunft gestaltet werden. Das neue Stadt-Ökosystem besteht aus einem Netzwerk urbaner Vitalräume, die sich wiederum aus „Grünen Bausteinen“ (u.a. Dach- und Fassadenbegrünung) zusammensetzen.
Als Leiter der FBB-Projektgruppe „WBB“ stellte Dieter Schenk die neue WBB-Liste (jetzt „Liste wurzelfeste Produkte“) vor. In der aktualisierten Liste sind nun 54 Produkte von 21 Firmen verzeichnet: Bahnen, Abdichtungen und andere mit Prüfungen nach dem FLL-Verfahren bzw. nach DIN EN 13948.
Dipl. Ing. Vera Enzi vom österreichischen Verband für Bauwerksbegrünung (VfB) führte in das Forschungsprojekt „GrünStadtKlima“ ein. Erstmals wird in Österreich der Einfluss von begrünten Bauwerksoberflächen auf Klima, Wasserhaushalt und auf den Wert einer Immobilie umfassend untersucht. Erste Auswertungen zum Temperaturverlauf an einem exemplarischen Wintertag mit Tiefstwert von -14°C zeigen deutliche Unterschiede zwischen Dachbegrünung und Kies-Referenz. Während die Temperaturen an der Dachabdichtung unter der Begrünung einen konstanten, kaum schwankenden Wert um 1°C aufweisen, zeigt die Referenz direkt an der Dachabdichtung Tiefstwerte von -7°C.
Die beiden „Noch-Studentinnen“ Henrike von Besser und Jennifer Elze von der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach stellten ihr im 3. Semester geborene Idee „Grow Green“ vor. GrowGreen ist ein innovatives Abstandsgewirk, auf dem Pflanzen wachsen können. Es bietet den Wurzeln genügend Raum zum Wachsen und die erforderlichen Nährstoffe sind im Textil eingelagert und werden über die Zeit abgegeben. Wasser wird durch die Kombination von Fasermaterial und wasserabweisender Beschichtung effizient im Textil gespeichert.
Dipl. Ing. Dana Wilfert aus Berlin hat erst kürzlich ihre Diplomarbeit über Nahrungsmittelanbau auf Dächern abgeschlossen. Sie berichtet von Restaurantbetrieben, die Kräuter und Blattgemüse effektiv anbauen. Diese Pflanzen sind platzsparend, schnell wachsend und ohne Aufwand konstant ertragreich und eignen sich daher besonders für den Anbau auf Dachflächen. Aber auch Frucht- und Wurzelgemüse sowie Obst und Sonderkulturen können mit etwas Mehraufwand erfolgreich angebaut werden. Kulturpflanzen benötigen ganzjährig einen feuchten Boden. Daher sind v.a. Substrate für den Kulturpflanzenanbau und systemintegrierte Bewässerungsmethoden, wie die Tropfbewässerung und die flächige Kapillar-Bewässerung empfehlenswert.
Einen lebendigen Vortrag hielt Ingo Rösler (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.) über Möwenbruten in Frankfurt a.M. Das multikulturelle Frankfurt wurde in den vergangenen Jahren auch zum Schmelztiegel der Möwen, gleich drei Großmöwenarten (Herings-, Mittelmeer- und Mantelmöwe) wählten die Stadt als Bruthabitate. Im letzten Jahr konnten auf dem begrünten Dach des ehemaligen Verladezentrums der Deutschen Post am Frankfurter Hauptbahnhof 36 Brutpaare beobachten werden.
Über ein aktuelles Forschungsprojekt berichtete Dr. Olga Gorbachevskaya vom FBB-Mitglied IASP von der Humboldt-Universität Berlin. Staub kann über Pflanzen und Aufnahme bzw. Rückhaltung im Substrat gebunden werden. Im Zuge der Untersuchungen wurde versucht, handelsübliche Substrate zu verbessern. Die entwickelte Zusatzsubstanz besteht zu 70 Vol.-% aus Recycling-Kieselgurschlamm und zu 30 % aus Friedländer Ton. Eine Charge des Granulats wird unter Labor- und Praxisbedingungen getestet. Während der ersten drei Untersuchungsmonate wurde der Austrag von Blei, Kalium, Chlorid, Phosphat und Nitrat aus dem System nachgewiesen. Ab dem dritten Monat war eine Zink- und Ammoniumrückhaltung nachweisbar.
Michael Findeiß vom Liebherr-Werk Biberach zeigte in seinem Vortrag mögliche Baustellenoptimierung auf. Baustellen mit wenig Raum rufen nach platzsparenden Lasthebemitteln und einem Mobilbaukran. Bedingt durch seine Bauart, ist damit die optimale Ausnutzung der möglichen Stellfläche auf oder an der Baustelle möglich. Er kann durch die Störkantenfreiheit nahe an ein Hindernis heranfahren und im 90°-Winkel darüber hinweg reichen. Dabei hat er eine große Reichweite und eine hohe Traglast von 1.850 kg.
Über Eigenschaften und Einsatzbereiche von Schaumglasschotter referierte Norbert Hartl von Misapor. Wegen des geringen Schüttgewichtes sorgt Blähglasschotter für eine deutliche Entlastung bei gleichzeitig sehr gutem horizontalen Durchflusswert. Schaumglasschotter zeichnet sich aus durch seine Begeh- und Überfahrbarkeit schon während des Einbaus, Formbeständigkeit, Frostsicherheit, Drainagewirkung, Druckfestigkeit und geringen Gewicht (135 kg/m³).
Prof. Dr.-Ing. Stephan Roth-Kleyer von der Hochschule RheinMain untersuchte verschiede Torfersatzstoffe wie Braunkohlefaserholz (Xylit), Holzfasern, Kokosfasern, Rindenhumus, Substratkompost. Seine Untersuchungen belegen, dass sich unter Verwendung der organischen Komponente Braunkohlefaserholz/Xylit FLL-konforme Baum- und Dachsubstrate problemlos herstellen lassen. Braunkohlefaserholz zeichnet sich gegenüber Kompost und Rindenhumus durch niedrige Nähr- und Schadstoffgehalte aus.
Das zweite Referenten-Duo des Tages, Wolfgang F. Eberts, BambusCentrum Deutschland und Martin Jauch, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf referierten über Bambusse und deren Verwendung auf Dächern. Wolfgang Eberts als Bambusliebhaber verkörperte dabei den Fürsprecher und Martin Jauch den mahnenden Wissenschaftler. Trotz aller Begeisterung führte Eberts aus, wenn Bambus, dann besser „horstbildende“ Arten (Fargesien). Ihre Horste nehmen zwar an Durchmesser zu, doch schicken sie keine Rhizome auf Wanderschaft. Bei hohen Bambusse (Phyllostachys) gibt es seiner Meinung nach nur die Variante mit Pflanzgefässen aus 10-15 mm starken HDPE-Platten. Martin Jauch zeigte anhand durchgeführter Untersuchungen, dass herkömmliche wurzelfeste Dachabdichtungen mit ihrer spezifischen Fügetechnik keinen ausreichenden Schutz vor Ein- oder Durchdringungen von Bambusrhizomen bieten. Er meint, dass alle derzeit bekannten Schutzmaßnahmen kaum überschaubare Risiken beinhalten und trotz Rhizomsperren die Pflanzung leptomorpher Bambusarten auf Dächern als Wagnis bezeichnet werden muss.
Abschließend vermittelte in alter Tradition das FBB-Mitglied und Chairman der „World Green Infrastructure network“ (WGIN) Prof. Dr. Manfred Köhler einen Überblick zur Dachbegrünung in der ganzen Welt und stellte viele anstehende Veranstaltungen und interessante Anregungen vor.
Zum Abschied gab es anlässlich des 10-jährigen Jubiläums für jeden Teilnehmer ein Stück Gründach in Form einer getopften Sedumpflanze mit, die vom FBB-Mitglied Isatis bereitgestellt wurde. Als weitere Sponsoren haben das Gründachsymposium unterstützt: Optigrün, Vedag, Bauder, Vulkatec, Dani Alu, Liebherr, Sika, Haymarket Media, Verlag Kuberski. Der Tagungsband mit den Kurzfassungen der Vorträge und Bilder zur Veranstaltung können unter www.fbb.de eingesehen und heruntergeladen werden. Alle Vorträge des FBB-Gründach- und Fassadenbegrünungssymposium 2012 finden sich Ende des Jahres im „Jahrbuch Bauwerksbegrünung“ wieder.
Das Jubiläum: 10 Jahre Internationales FBB-Gründachsymposium
… 125 Vorträge rund um die Dachbegrünung … über 100 Referenten aus 12 Ländern … etwa 1.400 Zuschauer
Die Idee des Internationalen FBB-Gründachsymposiums wurde vor über zehn Jahren von Fritz Hämmerle und Dr. Gunter Mann geboren und war auch der Vorläufer zahlreicher „Weltkongresse“ verschiedener Firmen und Organisationen. Das FBB-Gründachsymposium, das immer in Ditzingen bei Stuttgart stattfindet, fasst jährlich den aktuellen Stand der Technik und Forschung über die Grenzen hinaus zusammen und bietet Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Diplomanten eine Plattform und Kontaktbörse. Die Fachwelt der Dachbegrüner trifft sich in Ditzingen.
Dr. Gunter Mann Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) Kanalstraße 2 66130 Saarbrücken Tel. 0681-9880570 Fax 0681-9880572 e-mail info@fbb.de www.fbb.de |
Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) ist eine Vereinigung von Firmen rund um die Bauwerksbegrünung
unsere Schwerpunkte sind die Dachbegrünung und die Fassadenbegrünung.
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