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FBB-Expertengespräch "Fassadenbegrünung"Die Projektgruppe "Fassadenbegrünung" der
Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) initiierte und koordinierte ein
übergreifendes Expertengespräch zur Fassadenbegrünung.
FBB-Expertengespräch „Fassadenbegrünung“
Die Projektgruppe „Fassadenbegrünung“ der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) initiierte und koordinierte ein übergreifendes Expertengespräch zur Fassadenbegrünung. Die Moderatorin und Architektin Monika Holfeld stellte dabei sieben Fachleuten aus den unterschiedlichsten Bereichen Fragen rund um die Fassadenbegrünung.
Holfeld: Fassaden haben maßgeblichen Anteil an der optisch und emotional empfundenen Stadtumwelt. Fassaden können durch eine erfolgreiche Begrünung belebt und naturnah gestaltet werden. Fassadenbegrünungen lassen sich als raumbildende, natürliche
Gestaltungs-
Scholl: Das Bundesministerium hat sich das Stichwort des Nachhaltigen Bauens als Leitmotiv schon seit langen Jahren zu eigen gemacht. Bauen wird immer wieder verstanden als Eingriff in die Natur. Das ist es natürlich auch. Umso wichtiger scheint es mir, „Natur“ in das Bauen zu integrieren. Dies ist ganz besonders ein Thema der städtebaulichen Planung, aber auch der individuellen Gebäudeplanung. Oft genug ist auch heute noch die Rede davon, dass mit Bauten die Landschaft „zubetoniert“ werde. Dem setzt sicher die begrünte Fassade ein anderes Zeichen entgegen.
Holfeld: Und was sagt der Vertreter des Instituts für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken dazu?
Vogdt: Dass das „Lebensmittel Grün“ immer noch seinen Reiz ausübt, wird beispielsweise durch die weiterhin hohe Nachfrage nach Eigenheimen im Grünen dokumentiert. Ein naturfreundliches Wohnumfeld kann helfen, dieses Defizit bei innenstädtischen Quartieren erheblich zu reduzieren.
Holfeld: Zwischen gebauter Architektur und Fassadenbegrünung gibt es ein Beziehungsgeflecht. Wie lässt sich dieses Beziehungsgeflecht definieren?
Thönnessen: Fassadenbegrünungen werden in ihrem Potenzial als urbanes Grünelement unterschätzt – sowohl in ökologischer als auch vor allem in psycho-sozialer Hinsicht. Hierbei geht es nicht darum, ganze Städte mit einem Einheitsgrün überziehen zu wollen, es gibt viel urbane Architektur, die begrünungslos sichtbar bleiben sollte. Aber es gibt auch eine Vielzahl von Gebäuden und Funktionsbauwerken, bei denen eine Begrünung ein klarer Gewinn wäre. Flächendeckende Begrünungen und punktuelle Schmuckaspekte können einander durchaus ergänzen. Die Potenziale sind noch längst nicht erschöpft. Wenn bei Neubauten Fassadenbegrünungen erst nachträglich geplant und realisiert werden, dann können Sie kaum integraler Bestandteil der Architektur werden. Es scheint mir an der Zeit zu sein, dass die beteiligten Fachleute aufeinander zugehen und lernen, die Wachstumsdynamik von Kletterpflanzen als Gestaltungselement sich wandelnder Gebäude zu begreifen. Und nicht nur als ein Risiko für mögliche Schäden an der Außenwand sehen.
Holfeld Fassadenbegrünungen sind mit relativ geringem technischen Aufwand und geringem Bodenflächenbedarf realisierbar und können als „Ausgleichsmaßnahmen“ für Eingriffe in Natur und Landschaft anerkannt werden. Wie wird diese „ökologische Nische“ von der Lehre und Forschung gesehen?
Mahabadi: Teilweise können Fassaden tatsächlich mit geringem technischem Aufwand mit Kletterpflanzen begrünt werden. Aufgrund ihrer hohen Wachstumsrate und ihres hohen Blattflächenindexes stellen Fassadenbegrünungen oft die erwähnten ‚ökologischen Nischen’ dar. Hier finden eine Vielzahl von Insekten, einige Vogelarten und andere faunistische Individuen ihre Brut- und Lebensstätte. Die sich dadurch etablierenden Biotope können wertvolle Beiträge zur Entwicklung und Erhaltung des Ökosystems innerhalb einer Stadt leisten. Deshalb können Fassadenbegrünungen bei entsprechender Entwicklung durchaus als Ausgleich für Eingriffe in die Natur und Landschaft gesehen werden.
Holfeld: Gutachter für Schäden an Gebäuden stehen Fassadenbegrünungen oft kritisch gegenüber. Was sagt der Sachverständige dazu?
Brose: Bei einer Fassadenbegrünung handelt es sich um den gewollten Bewuchs an ausgewählten Flächen. Demzufolge muss im Rahmen der Fassadengestaltung von dem Architekten oder dem Bauherrn entschieden werden, ob die geplante Fassadenart für eine erfolgreiche Fassadenbegrünung geeignet ist. Zu klären ist in diesem Zusammenhang, ob die zu begrünende Fläche periodisch einer Bauunterhaltung unterliegt, oder ob ein Erfordernis hinsichtlich des Freihaltens von Bewuchs angrenzender Bauteile besteht. Als ungeeignet für Fassadenbegrünungen gelten Fassadenbereiche mit einem hohen Glasanteil sowie Fassadenbereiche mit Sonnenschutzvorrichtungen. Der Einsatz von Selbstklimmern gilt grundsätzlich als kritisch und sollte bei kleinformatigen Außenwandbekleidungen, Wärmedämmverbundsystem und Fassadenkonstruktionen mit einem hohen Fugenanteil unterbleiben. Sollte die Entscheidung für eine Begrünung fallen, dann ist diese unter Verwendung von Klettergerüsten und Rankhilfen sowie unter Beachtung der erforderlichen Pflegemaßnahmen auf der Grundlage eines wirtschaftlichen und gestalterisch sinnvollen Konzepts zu planen. Dann wird auch der Gutachter keine Einwände geltend machen.
Holfeld Eine Fassadenbegrünung wird gelegentlich auch als „Reparaturmaßnahme“ misslungener Architektur verstanden. Gibt es Ansätze für diese Behauptung?
Wefers: Eine Fassadenbegrünung kann gute, gegliederte Architektur unterstützen, interessant machen, für den Menschen angenehm und proportioniert erscheinen lassen. Sie kann auch ungegliederte, großmaßstäbliche Architektur „verpacken“ oder in Teilen auflockern. Zum Beispiel an Brandwänden, an fensterlosen Giebeln oder an Gebäuden industrieller Großtafelbauweise. Ich möchte jedoch eine Fassadenbegrünung nicht auf diesen Aspekt beschränkt sehen. Vielmehr kann sie in einem hoch verdichteten Stadtteil ein teilweiser Ersatz für fehlende Grünflächen sein und damit zu einem menschenfreundlichen Umfeld beitragen. Allerdings ist die Fassadenbegrünung kein Allheilmittel für die Versäumnisse einer nachhaltigen, umweltgerechten Planung. Das Ziel muss die Sicherung einer menschenwürdigen Umwelt und der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen bleiben.
Holfeld: Welche Pflanzen und Kletterhilfen eignen sich für eine erfolgreiche Fassadenbegrünung?
Kinzer: Aus technischer Sicht am einfachsten bemessen lässt sich eine Fassadenbegrünung, wenn sich diese an Rankgerüsten entfaltet. Auch wenn hier fehlende wissenschaftliche Grundlagen vorhanden sind, so lassen sich die Kräfte einschätzen. Probleme bereiten hier sicherlich Selbstklimmer an Mauerwerksfassaden, insbesondere wenn an dem Mauerwerk Risse vorhanden sind. Hier sind es in erster Linie statische Probleme konstruktiver Art, da durch die Haftwurzeln dieser Selbstklimmer Anstriche und Putz abgesprengt werden können.
Hauser: Nicht geeignet sind, sofern eine Eignungsprüfung keine anderen Ergebnisse liefert, Betonaußenwände, zweischaliges Mauerwerk, Fassaden mit angemörtelten Fliesen oder Platten sowie Vorhangfassaden und Pfosten-/Riegelkonstruktionen. Geeignet sind Putzfassaden, insbesondere Wärmedämmverbundsysteme, nur in Verbindung mit Kletterhilfen. Ständer und Fachwerksbauten erfordern eine gut durchlüftete Begrünung mit abnehmbaren Kletterhilfen.
Holfeld: Fassadenbegrünungen können ein bedeutendes Gewicht entwickeln. Schnee-, Eis- und Windlasten wirken nennenswert auf die Fassadenbegrünung ein. Was sagt der Statiker dazu?
Hauser: Bei einer Fassadenbegrünung unterscheiden wir zwischen der horizontalen und der vertikalen Belastung. Eine vertikale Belastung entsteht aus den Kletterhilfen, deren Verankerung und dem sich daraus ergebenden Gewicht, durch die Kletterpflanzen selbst und ihrem Wuchsverhalten unter dem Einfluss von Niederschlag. Eine horizontale Belastung ergibt sich aus Windsog und –druck. Über Pflanzengewichte und deren Zunahme durch Nässe und fortschreitendem Alter gibt es nur vergleichende Schätzungen. Schäden durch Vereisung an Pflanzen oder Kletterhilfen sind aus der Literatur nicht bekannt. Allerdings sind solche Schäden auch nicht auszuschließen. Eine dichte Belaubung oder eine überlappende Blattanordnung bewirkt eine hohe Winddichtigkeit. Entsprechend kann, bei entsprechender Wuchsdichte, der Winddruck wirken. Windbelastete Fassadenbegrünungen sind daher gewichtsmäßig höher zu bewerten als solche unter Schnee- und Eislasten. Daraus ergibt sich die Forderung nach einer ausreichenden Dimensionierung der horizontalen Verankerung.
Brose: In Abhängigkeit von den Standortbedingungen kann sich ein recht intensiver Bewuchs einstellen, der ein nennenswertes Gewicht zu entwickeln in der Lage ist. Grundsätzlich ist anzumerken, dass Lasteinflüsse aus dem Bewuchs immer artspezifisch zu betrachten sind. Dies resultiert daraus, dass die unterschiedlichen Einwirkungen wie Pflanzenalter, Pflege und individuelle Vitalität nicht immer umfassend vorhersehbar sind. Daher muss und sollte man bei den Lastannahmen stets von den zu erwartenden Maximallasten ausgehen. Dabei kann das Gewicht von Belaubung im Normalzustand mit 0,015 kN/m² angesetzt werden, der Niederschlag wird dabei mit dem Faktor 3 bewertet. Fruchtgewichte sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Das Wintergewicht kann das ermittelte Sommergewicht unter Umständen übersteigen. Allerdings gelten Schneelasten auf begrünten Fassaden als kein sehr wahrscheinlicher Lastfall. Auch auf laublosem Bewuchs lassen sich im Normalfall keine Schnee- und Eisablagerungen feststellen. Es gilt jedoch die Empfehlung, die Schneelast bei immergrünem Bewuchs nach DIN 1055-5 zu ermitteln und die Eislast mit 0,1 kN/m² anzusetzen, bei immergrünem Bewuchs mit 0,2 kN/m². Auf jeden Fall hat ein Fachkundiger hinsichtlich der zu erwartenden Lasten eine Zusammenstellung unterschiedlicher Einflussgrößen zu erarbeiten. Diese Ergebnisse dienen der Bemessung der Verankerungen für die Kletterhilfen. Nur somit ist die Standsicherheit der Gesamtkonstruktion, einschließlich der Begrünung, gewährleistet.
Kinzer: Neben dem physikalischen Gewicht der Fassadenbegrünung und dessen Ermittlung kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Das ökologische Gewicht. Eine begrünte Fläche von 30 m² erbringt die gleiche Vitalität wie ein Baum
Holfeld: Sofern Drahtseile als Kletterhilfe eingesetzt werden, müssen diese nachstellbar sein. Im Gegensatz zur gängigen Meinung dienen die Spannvorrichtungen hauptsächlich dazu, den Seilzug zu lockern.
Hauser: Die Drahtseile müssen nachstellbar sein. Drahtseile mit ihren dazugehörigen Verankerungen sollten nur dort Verwendung finden, wo eine sichere Verankerung gewährleistet ist. Die Verankerungen müssen alle jene Zugkräfte aufnehmen, die durch die Drahtseile und deren Spannvorrichtungen verursacht werden.
Kinzer: Das Gewicht der Drahtseile an sich ist relativ unbedeutend. Wichtiger sind die von den Pflanzengehölzen ausgehenden Kräfte auf die Drahtseile. Insofern ist es erforderlich, dass die Drahtseile im Rahmen von Unterhaltungsmaßnahmen in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Seilkonstruktionen und Metallgerüste sind gegenüber Holzkonstruktionen zu bevorzugen, da Holzkonstruktionen häufig nicht die Lebensdauer des Bewuchses erreichen. Holfeld: Bei der Pflanzenauswahl sind Eignung, Himmelsrichtung, Wuchsstärke und –höhe hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Fassade für den Laien oft nur schwer vorhersehbar. Welche grundsätzlichen Hinweise gilt es zu beachten?
Mahabadi: Kletterpflanzen stellen, genauso wie andere Pflanzen auch, bestimmte Anforderungen an den Standort. Einen wesentlichen Standortfaktor stellt die Exposition dar. Während beispielsweise Wilder Wein für die Begrünung von Südfassaden als geeignet erscheint, ist Efeu für die Begrünung von Nordfassaden prädestiniert. Aber auch für Fassadenbegrünungen aller Himmelsrichtungen finden sich adäquate Kletterpflanzen. Alle Kletterpflanzen weisen sehr unterschiedliche jährliche Wachstumsraten auf. Diese reichen von wenigen Dezimetern, zum Beispiel bei der Kletterspindel, bis über zwei Meter zum Beispiel bei Knöterich. Auch die Art der Klettertechnik und das jährlich zu erwartende Dickenwachstum sind bei Kletterpflanzen unterschiedlich. Im Hinblick auf die Wahl der geeigneten Pflanzen für die entsprechende Fassade sind Laien, aus den genannten Gründen, meistens überfordert. Bei Nichtberücksichtigung der genannten Aspekte, also wenn für die Begrünung einer bestimmten Fassade keine geeignete Kletterpflanze eingesetzt wird, besteht die Gefahr pflanzenbedingter Schäden. Diese können das Einwachsen lichtfliehender Triebe in Risse an der Fassade, deren Beschädigung sowie das Zusammendrücken von Fallrohren sein. Das Gedeihen und das Wachstum der Kletterpflanzen sind von einer Reihe von Standortfaktoren abhängig. Hierzu gehören Bodenart, Bodenfeuchtigkeit, Luft- und Nährstoffgehalt des Bodens, temporär und auf das ganze Jahr bezogen, die Exposition usw. Die genannten Faktoren können pflanzenspezifisch unterschiedlich sein. Auch gleiche Standortbedingungen können bei zwei Pflanzen der gleichen Art zu unterschiedlichen Wachstumsraten führen. Aus den genannten Gründen sind Fassadenbegrünungen statisch begrenzt ermittelbar.
Holfeld: Erfolgreiche Fassadenbegrünungen sind in der Lage, das Mikroklima durch Beschattung, Verdunstung, Sauerstoffabgabe sowie Abgas- und Staubbindung wirksam zu verbessern. Können begrünte Fassaden darüber hinaus die Schallreflexion reduzieren und deutlich die sommerliche Aufheizung und die winterliche Abkühlung innerhalb eines Gebäudes reduzieren?
Mahabadi: Es ist unbestritten, dass Begrünungen an Fassaden das Mikroklima verbessern. Diese Verbesserung geschieht u. a. durch eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und der Verschattung. Maßgebend ist dafür der in der Regel hohe Blattflächenindex bei Kletterpflanzen. In diesem Zusammenhang sind auch lufthygienische Funktionen durch Sauerstoffproduktion und Staubfilterung zu nennen. Bereits 1987 haben Bartfelder/Köhler in einer Studie ermittelt, dass bei einer Fassadenbegrünung mit dreilappigem Wilden Wein an der Blattoberseite ein Staubniederschlag von zwei bis vier Gramm/m² und an der Blattunterseite ein solcher von einem bis zwei Gramm/m² feststellbar war. Thönnessen: Die bereits in den späten 70er Jahren genannten Positivwirkungen begrünter Fassaden wurden in den vergangenen Jahrzehnten vielfach auf der Basis von Plausibilitätsüberlegungen postuliert, wiederholt und publiziert. Wissenschaftliche Überprüfungen dieser Thesen erfolgten jedoch nur selten und wurden kaum an- bzw. wahrgenommen. Die eingangs zitierte Studie von Bartfelder/Köhler bezog sich auf Berlin-Moabit. Die Immissionsbelastung in Berlin vor der Wiedervereinigung war enorm hoch, die vier Prozent Filterleistung waren somit ausschließlich in diesem Kontext zu sehen. Wahrgenommen wurde jedoch, dass Fassadenbegrünungen nur vier Prozent des Staubniederschlags binden können. Egal ob im Schwarzwald oder in Berlin. Dieser Wert erfüllte nicht die Erwartungen und wurde daher von den Befürwortern einer Fassadenbegrünung weitgehend ignoriert. Auch die übrigen stadtökologischen Argumente haben ihre Berechtigung, wenn auch zum Teil in einem anderen Verständniszusammenhang. So weiß man mittlerweile, dass der Schallschutzaspekt faktisch zu vernachlässigen ist. Bürgerbefragungen zeigen jedoch, dass das Rauschen des Windes in den Blättern unangenehmen Stadtlärm angenehm zu überdecken vermag. Die Ergebnisse unserer Befragungen im Rahmen der Untersuchungen der ‚Forschungsgruppe Fassadenbegrünung’ am Geographischen Institut der Universität Köln belegen ganz deutlich, dass Fassadenbegrünungen aus Bürgersicht heute primär im Hinblick auf ästhetische und psychosoziale Aspekte wahrgenommen werden. Gesteigertes Wohlbefinden und die Möglichkeit des Erlebens von Jahreszeiten sind immer die zuerst genannten Argumente.
Vogdt: Eine gelungene Fassadenbegrünung wirkt sich natürlich, im wahrsten Sinne des Wortes, positiv auf den Gebäudenutzer aus. Aber auch weitere Vorteile sind bei einer großräumigen Begrünung von Außenwandflächen zu erwarten. Neben einer positiven Beeinflussung des bauteilnahen Mikroklimas können sich auch im weiträumigen Umfeld großflächiger Begrünungen positive Veränderungen ergeben. Dies sind eine Temperaturreduzierung in den Sommermonaten und eine Veränderung der lufthygienischen Kenngrößen im Hinblick auf den Schwebstaubgehalt oder den Kohlendioxydgehalt. Weitere Merkmale wie ein verbesserter Wärme- und Feuchteschutz sowie eine Verbesserung der Dauerhaftigkeit der hinter der Begrünung vorhandenen Konstruktionen sind meiner Meinung nach noch durch Untersuchungen zu quantifizieren.
Wefers: Ergänzend ist noch auf die klimatische Ausgleichswirkung von begrünten Fassaden hinzuweisen, die gerade in Innenstadtlagen eine erhebliche Bedeutung hat. Der Erwärmung der Stadt wird damit entgegen gewirkt.
Holfeld: Sind die Vorurteile, in begrünten Fassaden sammle sich Ungeziefer, begründet?
Vogdt: Diese Befürchtungen sind nicht vollständig von der Hand zu weisen. Dabei ist insbesondere die Spinnenphobie einzelner zu nennen. Bei einer gelungenen Begrünung stellt sich jedoch schnell ein biologisches Gleichgewicht im Hinblick auf Flora und Fauna ein, so dass nicht von einem erhöhten Ungezieferbefall ausgegangen werden muss. Durch eine gezielte Anordnung von Kletterhilfen können die begrünten Bereiche auf fensterferne Flächen begrenzt werden.
Wefers: Unter Ungeziefer in Gebäuden würde ich Mäuse oder Ratten verstehen, nicht aber Insekten, oder auch Spinnen. Ich selbst habe lange in einem Haus mit umfangreicher Fassadenbegrünung gewohnt. Denen, die sich vor Kleinlebewesen fürchten, kann ich nur sagen, dass in dem Haus mit Fassadenbegrünung nicht mehr Spinnen waren als in jedem anderen Haus.
Holfeld: Können Fassadenbegrünungen die Außenwand eines Gebäudes vor Witterungseinflüssen schützen?
Thönnissen: Der Schutz vor Witterungseinflüssen stellt, ähnlich wie die stadtökologischen Argumente, ein weiteres häufig wiederholtes Argumentationsbündel der Begrünungsbefürworter dar. Selbstverständlich schützen Fassadenbegrünungen vor Schlagregen und sie haben eine gewisse Isolationswirkung. Der Einsatz von Efeu als einer der wichtigsten immergrünen Kletterpflanze verlangt meiner Ansicht nach neben einer intakten Bausubstanz ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz und eine permanente aufmerksame Beobachtung. So wünschenswert sowohl aus ökologischen wie auch aus psycho-sozialen Gesichtspunkten der Einsatz von Efeu gerade in Bezug auf winterliche Tristesse vieler Stadtviertel erscheint, so kritisch ist jedoch dessen Bauschadensrelevanz. Hier kommt den mächtigen Efeupolstern vor allem während der Phase des Blühens übrigens auch eine große statische Bedeutung zu. Daher stellt sich die Frage, ob der Schutz vor Witterungseinflüssen nicht mehr ist als ein willkommener Begleitaspekt innerhalb der Begrünungsmotivation.
Holfeld: Wenn wir das Gehörte zusammenfassen, dann lässt sich sagen, dass eine Fassadenbegrünung immer dann erfolgreich ist, wenn die gärtnerischen und konstruktiven Aspekte sinnvoll zusammengeführt und umgesetzt worden sind. Dann wird sich auch die vielerorts gewünschte Wertsteigerung einstellen. Denn: Wo Pflanzen wachsen, Blumen blühen und Vögel leben, fühlt sich auch der Mensch wohl!
Scholl: Diese Feststellung kann sicher jeder unterstreichen, der, wie ich den Vorzug hat, in einem entsprechend gestalteten Gebäude zu arbeiten.
Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), Projektgruppe Fassadenbegrünung, Hemminger Str. 46, D-71254 Ditzingen, Tel. +49 (0) 7152-353003, Fax +49 (0) 7152-353004, e-mail: infoline@fbb.de, www.fbb.de
Die Beteiligten am FBB-Expertengespräch „Fassadenbegrünung“:
Dr.-Ing. habil. Martin Brose... ist
Bausachverständiger für Schäden an Gebäuden und Mitglied im
Sachverstän-
Dipl.-Ing. Gerold Hauser... ist Landschaftsarchitekt und Sachverständiger für Landschaftsbau sowie für Baumstatik und Gehölzwertermittlung; Kreuth.
Dipl.-Ing. Monika Holfeld... ist Architektin und Farbgestalterin und betreibt ein eigenes Architekturbüro in Berlin.
Dipl.-Ing. Claus-Michael Kinzer... ist Bausachverständiger für die Bewertung von Schäden an Gebäuden; mit Büros in Goslar und Frankfurt , außerdem ist er Präsident des Sachverständigenverbandes Niedersachsen-Bremen sowie Mitglied der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).
Prof. Dr.-Ing. Mehdi Mahabadi ... ist Professor für das Fach ‚Technik des Garten-und Landschaftsbaus’ an der Universität Duisburg-Essen; Campus Essen, sowie Leiter der ‚Arbeitskreises Fassadenbegrünung’ innerhalb der Forschungsgemeinschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL).
Robert Scholl... ist Ministerialdirigent beim Ministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), Berlin und Bonn.
Dr. Manfred Thönnessen... ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Köln. Er leitet das Physisch-Geographische Labor, ist Geschäftsführer des Diplom-Prüfungsausschusses und koordiniert die Arbeiten der von ihm gegründeten ‚Forschungsgruppe Fassadenbegrünung’.
Dr.-Ing. Frank Vogdt... ist stellvertretender Direktor des Instituts für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e. V. (IEMB) an der Technischen Universität (TU) Berlin.
Dipl.-Ing. Karl Wefers... ist Landschaftsarchitekt im BDLA, Stadtplaner und Gesellschafter im Büro Seebauer, Wefers und Partner; Berlin. |
Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) ist eine Vereinigung von Firmen rund um die Bauwerksbegrünung
unsere Schwerpunkte sind die Dachbegrünung und die Fassadenbegrünung.
FBB Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. - Kanalstraße 2 - D-66130 Saarbrücken
Telefon: 0681 / 98 80 570 - Telefax: 0681 / 98 80 572 - info@fbb.de